Ueberlastung bei manuellen Rundschalttischen vermeiden
Überlastung bei manuell angetriebenen Rundschalttischen vermeiden: Ursachen und Lösungen
Als Hersteller von manuell angetriebenen Rundschalttischen zeigt unsere Praxiserfahrung zu oft Tellerdurchmesser und Aufbauten „im Feld“, die hart an der Grenze der technischen Spezifikation oder deutlich darüber liegen. Die direkten Folgen sind verkürzte Standzeiten und ungeplante Produktionsstillstände.
Warum kommt es bei manuellen Rundschalttischen häufig zu Überlastung?
Im Gegensatz zu pneumatischen oder elektrischen Antrieben, bei denen Bewegungen technisch exakt vorgegeben sind, ist der manuelle Antrieb unmittelbar von Kraft, Impuls, Physis und der Tagesform des Bedienpersonals abhängig.
Konkret bedeutet das: Beim manuellen Drehen eines Rundschalttisches hängen Drehgeschwindigkeit und Dreh-Impuls stark vom Bediener, der jeweiligen Schicht und der Handhabung ab.
- Variierende Endlagen-Belastung: Die mechanische Belastung – speziell in der Endlage – schwankt stark und beeinflusst die Standfestigkeit der Automation negativ.
- Massenträgheitsmoment: Zu große Massen (Teller und Vorrichtungen) belasten Verriegelungen und Anschlagsmechaniken übermäßig, was zu Verklemmen oder mechanischem Bruch führen kann.
Schadensbild: Woran erkennt man die Überlastung?
Erfahrungsgemäß sind vor allem Teilungsbolzen und Indexbolzen stark in Mitleidenschaft gezogen.
- Diese Komponenten sind als Ersatzteile verfügbar und lassen sich mithilfe der Betriebsanleitung RSE-6-M und handwerklichem Sachverstand austauschen.
- Dennoch bleiben unnötiger Produktionsstillstand und hoher Instandsetzungsaufwand das Resultat.
Hintergrundwissen für Konstrukteure und Anwender
Der manuelle Rundschalttisch (unser Modell RSE-6-M) verfügt konstruktiv über ein leistungsfähiges 4-Punkt-Lager, dessen Vorspannung den Drehwiderstand definiert. Bei der Montage wird das Lager so eingestellt, dass die technischen Daten gemäß Produktspezifikation – validiert in umfangreichen Tests – exakt eingehalten werden.
Einen Hinweis zu diesem Fakt finden Sie auch in der Betriebsanleitung de RSE-6-M unter der Rubrik "Demontage des Schalttellers".
Zudem weisen wir in unseren technischen Dokumenten, Prospekten und Betriebsanleitungen detailliert auf zulässige Belastungen und empfohlene Drehzeiten hin.
Konstruktive Tipps zur Optimierung
Trotz aller Richtlinien zeigt die Praxis, dass Anwendungen oft komplex sind, Aufbauten größer ausfallen und menschliche Faktoren (Schichtbetrieb, Akkordarbeit, Bedienphysis) hinzukommen. Selbst die Positionierung der Griffe beeinflusst über Hebelgesetze und Winkel die mechanische Endlagenbelastung!
Wir empfehlen daher, folgende Faktoren zu prüfen und zu optimieren:
- Tellergestaltung: Größe, Stärke, Material und konstruktive Ausführung des Drehtellers.
- Werkstück-Aufnahmen: Gewicht, Anzahl und Positionierung auf dem Tisch.
- Bedienkonzept: Anordnung und ergonomische Positionierung der Drehgriffe für das Personal.
Die Lösung bei kritischer Belastung: Die Bremsrolle
Für manuell betriebene Drehtische empfiehlt sich bei hoher Beanspruchung zusätzlich eine Bremsrolle außen am Drehteller.
Funktionsweise der Bremsrolle
Die Bremsrolle ist eine simple, mechanische Komponente, die den Widerstand beim Drehen erhöht.
- Situative Wirkung: Im Inneren befinden sich meist Planetengetriebe. Die Verzögerung steigt proportional mit der eingebrachten Geschwindigkeit.
- Minimaler Widerstand bei langsamer Drehung: Bei langsamen, gleichmäßigen Bewegungen ist der Widerstand der Rolle nahezu neutral – die Bedienbarkeit leidet also nicht.
Vorteile einer Bremsrolle auf einen Blick
- Wirkt starken Beschleunigungen durch den Bediener effektiv entgegen
- Sorgt für einen gleichmäßigen, gedämpften Bewegungsablauf
- Reduziert mechanische Spitzenbelastungen in der Endlage
- Erhöht die Prozesssicherheit und verringert den Verschleiß
- Ist eine einfache, kostengünstige und robuste mechanische Lösung
Exemplarisch kann der Bremsrollensatz D52-95 M6 von item Industrietechnik GmbH Verwendung finden. Über eingebrachte Nuten lassen sich dort z.B. Bremsseile und O-Ringe einbringen.
Dieses Beispiel einer Bremsrolle sei bitte als Hinweis - nicht als Empfehlung gedacht. Es gibt vielfältige andere Anbieter und Produkte - oft sind in Ihrem eigenen Betriebsmittelbau schon Lösungen im Einsatz.
Wir haben Bremsrollen daher bewusst nicht im eigenen Portfolio!
Fazit: Geringer Aufwand, große Wirkung im Sinne von Karakuri-Kaizen!
Die Kombination aus Bremsrolle und manuellem Rundschalttisch bildet eine clevere, rein mechanische Automatisierungslösung im Sinne von Karakuri-Kaizen und Low Cost Automation (LCA).
Hintergrundbegriffe:
- Karakuri (japanisch für „Mechanismus“ oder „raffinierter Trick“) steht heute für intelligente, mechanische Hilfsmittel ohne komplexe Steuerungstechnik (Low Cost Automation / LCA).
- Kaizen bedeutet „Wandel zum Besseren“ und ist als Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) fester Bestandteil der modernen Produktion.
